Er ist ein Drummer, der Räume schafft, klangmalerisch fein schattierte Szenerien für seine Mitspieler kreiert und der es versteht, die Musik mit einer eleganten Subtilität zu lenken. Spätestens seit dem Erscheinen seines Debüt-Albums 2018 hat Nathan Ott eindrucksvoll demonstriert, wie fruchtbar eine generationsüberschreitende, interkontinentale Jazz-Begegnung sein kann. Zentrum der Aufmerksamkeit war dabei immer wieder die Tatsache, dass der Miles Davis-Veteran Dave Liebman gemeinsam mit drei europäischen Jazzmusikern aus zwei jüngeren Generationen ein derartig offenes Format für improvisatorischen Dialog auf Augenhöhe entwickelte.
Als Liebman sich später aus gesundheitlichen Gründen vom Tourleben zurückziehen musste, kam mit Christof Lauer eine der prägendsten Stimmen des europäischen Jazz hinzu und verwandelte den Klang und das Innenleben des Ensembles. Wie lässt sich die Magie erklären, die vom Tenor- und Sopransaxophon in seinen Händen ausgeht? Als ein eigenwilliger Klangkünstler, der der jegliche Routine ablehnt und beharrlich an neuen Formen arbeitet, hat er einen musikalischen Kosmos geschaffen, in dem sein Horn mal sanft flüstert, mal expressiv die Luft durchbricht – immer intensiv, immer neu. Seine Zusammenarbeit mit Größen wie Al Jarreau, Paul Motian, Buster Williams, und dem legendären United Jazz & Rock Ensemble ist Beleg seiner Fähigkeit, mit den Besten zu kommunizieren, aber in seinem Spiel immer seine ganz eigene Stimme zu bewahren. Zusammen mit dem kommunikativen Scharfsinn der phänomenalen aus Buenos Aires stammenden Saxophonistin Camila Nebbia verschmilzt Lauers Spiel zu einer unverwechselbaren Textur und wird durch die elegante Elastizität des dänischen Bassisten Jonas Westergaard vervollständigt, weltweit einer der bemerkenswertestes Individualisten seines Instruments. Als Bandleader versteht es der Drummer Nathan Ott, die Musik mit einer eleganten Subtilität zu lenken: Dabei schöpft er aus einem generationsübergreifenden Verständnis für Jazz – ein feinsinniger Architekt der musikalischen Szenerie, der mit Sensibilität und Leidenschaft den Sound des Ensembles prägt.
Das Album „Continuum“ dokumentiert die langjährige Zusammenarbeit des Quartetts und ist die erste Veröffentlichung auf Ott’s neuer interdisziplinären Plattform „An.bruch“. Aufgenommen wurde die Musik im April 2024 direct-to-tape, mit dem Ziel, die Dynamik des Ensembles so unverfälscht wie möglich zu repräsentieren. Gemeinsam spielen sie eine eng kommunizierende, atmosphärisch dichte, zeitgenössische Musik, die Genregrenzen sprengt und zu allen dynamischen Steigerungen fähig ist, ohne jemals an Bodenhaftung zu verlieren.